Hohes Unterrichtsniveau in familiärer Athmosphäre - Hammelburg 2007 begeistert Dozenten und Teilnehmer
Ein eigentlich hoffnungsloses Unterfangen, nämlich die Interessen sehr vieler unterschiedlicher Teilnehmer unter einen Hut zu bringen, wurde beim Fortbildungskurs des Deutschen Tubaforums tatsächlich gemeistert: Sowohl Teilnehmer als auch Dozenten zeigten sich begeistert von Organistaion und Verlauf des Meisterkurses. Tubaforum-Präsident Prof. Klemens Pröpper konnte bei der Begrüßung am Montag, dem 14. Mai in der Akademie Hammelburg auf einen voll besetzten Saal blicken. Das Dozententeam bestand aus Oystein Baadsvik (Norwegen), Prof. Jens Björn-Larsen (Dänemark), Heiko Triebener und Wolfram Krumme (beide Deutschland), Hans-Rainer-Schmidt (Deutschland), Roland Fröscher (Schweiz) und Marty Erickson (USA, Jazz). Mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich eingefunden, um knapp eine Woche lang unter fachkundiger Anleitung ihre technischen Fertigkeiten am tiefen Blechblasinstrument zu verfeinern.
Eingeteilt in Gruppen, nahmen sie am Montag gleich nach der Begrüßung ihre Arbeit auf. Dabei wurde immer wieder betont, dass ein Wechsel zwischen den Dozenten und das damit verbundene Kennenlernen verschiedener Arbeits- und Unterrichtsweisen nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht sei.
Während im großen Saal der Akademie bereits die Instrumenthersteller ihre Ausstellungen vorbereiteten, ertönten im weitläufigen Rund der Unterrichtsräume schon die ersten tiefen Töne.
Aber auch Konzerte waren zu hören: Am Montagabend spielte das Tubaquartett "Tiefflug"des Luftwaffenmusikkorps Karlsruhe ein vielseitiges und originelles Programm von Originalwerken und auch Bearbeitungen für Tuba-Ensemble. Neben pfiffiger Moderation begeisterten sie auch durch originelle Ideen, neue Dämpfertechniken nicht nur anzudenken, sondern auch auch umzusetzen.
Dieser erste Fortbildungstag wurde beschlossen im legendären Felsenkeller, der für ein "Cool-Down" von Leib und Seele ein ideales Ambiente bietet.
Trotzdem waren am Dienstagmorgen zur ersten Arbeitseinheit alle wieder versammelt. Allerdings waren einige besonders froh, Mundstückübungen an der frischen Luft machen zu dürfen. Die Arbeit verlief gemäß Programm in den Gruppen und wurde von jedem Dozenten etwas anders gestaltet. Neu in 2007 war die Einrichtung einer festen Kammermusikphase, die täglich stattfand und in der neue Werke für Tubaensemble langfristig erarbeitet werden konnten.
Am Dienstagabend konnten die Teilnehmer dann einem Vortrag von Wolfram Krumme lauschen, der zum Thema "technische Möglichkeiten der Motivationsförderung" einiges an neuen Medien mitgebracht hatte und die Möglichkeiten demonstrierte. Ergänzend zu den Programmen "Finale, Band in a Box, audacity, und iTunes" kam noch der Hinweis zu der Software "Smart Music-intelligente Begleitung". Dieses Programm ist fähig, die Töne des Soloinstrumentes zu erfassen und selbstständig die Begleitung abzuspielen. Es liegen inzwischen ca. 15.000 Begleitungen vor, die durch Transposition an jedes Instrument angepasst werden können.
Ein Referat ganz anderer Art, aber nicht weniger aktuell gab Dr. Winfried Westermann, selbst Tubaspieler, der am Mittwoch die neuesten Erkenntnisse zum Thema "Musikmedizin" vortrug. Dr. Westermann, Allgemeinmediziner und Kneipp-Arzt aus Neuenkirchen-Vörden betonte dabei, dass der Spieler viele krankmachende Parameter des Musizierens bereits im Vorfeld erkennen kann. Besonders die Haltung des Instrumentes und der Blick auf Noten und Dirigenten kann positiv beeinflusst werden und erhöht Spielfreude und Gesundheit nachhaltig.
Nach der Mitgliederversammlung des DTF gab es dann den traditionellen Jazz im Felsenkeller. Passend zu einem kühlen Tropfen von Rebe oder Hopfen liefen Marty Erickson und Werner Lohr mit ihren Musikerkollegen an Banjo und Trompete zu voller Form auf. Packende Duelle von Tuba, Posaune, Banjo und Trompete waren zu hören, stets angefeuert vom begeisterten Publikum. Beim Abschluss-Walk durch das Publikum wurde dann noch so manche Zugabe gegeben, die Lust aufkommen ließen, beim nächsten Kurs wieder zum Jazz einzuladen.
Der Donnerstag stand dann ganz im Zeichen des Abschlusskonzertes. In allen Räumen wurde geprobt für Ensemblestücke und Solowerke mit und ohne Klavierbegleitung. Hervorragend war wie immer Siegfried Schick als Klavierbegleiter, der mit allen Solisten ausgiebig üben konnte und so manches ihm bis dahin unbekannte Werk sicher interpretierte.
Das Konzert selbst sollte dann zum Meilenstein der Hammelburg-Events werden. Nach den Vorträgen der einzelnen Gruppen von Tuba und Eufonium nahmen die internationalen Konzertsolisten Oystein Baadsvik und Jens Björn-Larsen dann Platz auf der Bühne und bewiesen live ihre Klasse. Hochmusikalisch, technisch perfekt und auch humorvoll ließen sie Originalkompositionen und Bearbeitungen für Tuba erklingen und begeisterten alle Anwesenden nachhaltig. Ob ein Tango von Piazolla (Jens Björn-Larsen) oder das amüsante, augenzwinkernde Fnug (Schneeflocke) von Oystein Baadsvik, alle Stücke setzen Maßstäbe in Spielkultur und musikalischer Rafinesse an diesem gar nicht so plumpen Instrument. Und so manch ein fachversierter Zuhörer mag sich an diesem Abend gesagt haben, alles ist möglich. Viele gute Vorsätze wurden gefasst, das Üben umzustellen, zu intensivieren und noch mehr an sich zu arbeiten. Grandios!
Eine besondere Interpretation des Militärmarsches von Schubert durch ein Dozentenquartett riss dann nicht nur die Zuhörer von den Sitzen. Auch die Spieler selbst versanken immer mehr in den tiefen Registertönen, bis am Ende quasi "am Boden zerstört" kein weiteres Absacken mehr möglich war und sie (anscheinend) erschöpft am Boden lagen.
Dass sie aber noch am Leben waren, konnte man dann noch im Felsenkeller erleben. Nach der Abschlussparty des DTF im Felsenkeller fand dann spät in der Nacht noch ein Quartett den Weg auf die Bühne, um das ein oder andere auch speziell für Hammelburg 2007 arrangierte Werk zu spielen. Dass dies Konzert wieder einmal eine Sternstunde der Hammelburg-Kurse wurde, kann sich jeder vorstellen.
Der Freitagmorgen gestaltete sich für die anwesenden Dozenten reichlich anstrengend, mussten sie doch im Unterricht zunächst die Ereignisse der Nacht aufarbeiten ...
In der Abschlussbesprechung war man sich einig, so ein grandioses Tubafest im Jahr 2009 wieder in Angriff zu nehmen. Einstimmig bedankten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Veranstalter, der Musikakademie Hammelburg und dem Deutschen Tubaforum und lobten besonders die glückliche Auswahl der Dozenten und die familiäre, aber dennoch intensive Arbeitsathmosphäre. Und beim Weg nach Hause, konnte man dann noch das eine oder andere Auto am Parkplatz stehen sehen, die Tuba im Kofferraum und der Fahrer selig träumend, vom nächsten Kurs, vom Konzert, oder auch vom Felsenkeller. |