Die Preisträger im Fach Tuba stehen fest
(gd) Am 22. Mai 2008 trafen sich für dieses Jahr nun zum letzten Male die Juroren und die übrig gebliebenen 3 jungen Tubisten zum friedlichen Wettstreite um die begehrten Preisträger-Plätze. Das Finale im Fach Tuba fand wiederum in der Musikhalle Markneukirchen statt und recht viele Musikinteressierte wollten sich dieses künstlerische Kräftemessen nicht entgehen lassen.
Die Tuba wurde ca.1829 als tiefster Vertreter der Bügelhörner entwickelt. Der Vorläufer dieses Bassinstrumentes könnte die bei den Griechen und Römern verwendete Kriegstrompete gewesen sein. Die Tuba hat ihren Platz selbstverständlich im Blasorchester, aber auch im Opern- und Sinfonieorchester – vor allem in der Musik der Spätromantik von Richard Wagner und Anton Bruckner hat sie mittlerweile einen wichtigen Platz eingenommen. Als Soloinstrument ist die Tuba erst relativ spät entdeckt worden. Immer neue Veränderungen an der Konstruktion dieses aus einem 4,0 bis 5,5 m langen, stark konischen Rohr bestehende Instrumentes lassen stets virtuosere und größere Ausdrucksmöglichkeiten zu.
Die Tatsache, dass sich eine so große Anzahl von Tubisten diesem Wettbewerb gestellt hat (mehr als im Fach Horn!), zeigt doch, dass die Tuba als Soloinstrument weiter auf dem Vormarsch ist.
Alle drei Finalisten spielten an der Seite des Philharmonischen Orchesters des Theaters Plauen-Zwickau unter der einfühlsamen und erfahrenen Leitung von GMD Georg Christoph Sandmann das Concerto für Tuba und Streichorchester des Norwegers Arild Plau (1920 – 2005). In Norwegen ist er vor allem für seine zahlreiche Kammermusik bekannt. Er war Musikpädagoge, Fagottist im Osloer Opernorchester und Komponist. In seiner Musik hat er immer wieder nach dem Einfachen gesucht, deshalb wird man kaum „unmotivierte virtuose Passagen“ in seiner Musik finden. Das zeichnet eigentlich auch die nordische Musik eines E. Grieg oder J. Sibelius aus. Dem Interpreten dieses Werkes ist es also anheim gegeben, mit seinem Spiel das Werk entsprechend auszudeuten, die Musik also „zum Funktionieren“ zu bringen.
Den Anfang im Reigen der besten drei machte Kazuhiko Sato aus Japan. Er wurde am 4. Februar 1976 geboren. Seine musikalischen Ausbildung – ein Tuba-Studium – absolvierte er unter Eiichi Inagawa und Ryosuke Kashiwada. 2003 errang er den 3. Preis beim Concours International Philip Jones und 2004 ein Diplom beim Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen. Er ist Mitglied in der Vereinigung „Japan Tuba Soloists“ und in der Formation „Zoorasien Brass“.
Kazuhiko Satos Spiel war geprägt von großer Ausdruckskraft, vor allem in den langsamen Teilen, seine Tongebung war schön weich und tragend. In den lebhaften Abschnitten wirkte Sato stellenweise etwas steif und nicht so homogen im Zusammenspiel mit dem Orchester. Doch hat Kazahiko nicht unverdient die Finalrunde erreicht, denn sein gesamtes Spiel zeugt von einer musikalischen Reife und einem großen Verständnis für das Werk.
Als zweiter Finalist kam dann Thomas Leleu aus Frankreich auf die Bühne. Am 13. August 1987 erblickte er in Croix das Licht der Welt. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Conservatoire National Supérieur de Musique et de danse de Paris bei Prof. Gerard Buquet, Bernard Neuranter und Jens Mc Manama. September 2006 bis Februar 2007 war er Erasmus-Student an der Hochschule für Musik Detmold mit Hans Nickel. Mit seinen knapp 21 Jahren weist Leleu eine stattliche Anzahl von Erfolgen und Engagements auf: 2005 Gold Medaille in Tuba, Gold Medaille in Kammermusik und ein Diplom von der Academy of Lille; 2006 Preis bei der European Competition for young solists, Luxemburg; Diplom „Instrumental Theatre“ und das Diplom „Jazz“ am Conservatoire National Supérieur de Musique et de danse de Paris; Orchestererfahrung mit zahlreichen französischen Klangkörpern und Konzerte in Deutschland, Russland, Süd Korea, Japan und China.
Leleu musizierte sehr lebendig und arbeitete gut die Kontraste im ersten Satz heraus, im langsamen zweiten Satz mit seinem sehr lyrisch-melancholischen Charakter hatte er wohl einige kleine Probleme mit dem Ansatz in den Pianissimo-Stellen. Auch seine Tongebung war für den 2. Satz etwas zu hart. Im dritten Satz konnte er beweisen, welches Potential als Tubist in ihm steckt – souverän und mit der nötigen Lockerheit beherrschte er die schwierigen Passagen!
Und „im Bunde der Dritte“ war dann schließlich Benjamin Pierce. Er wurde am 28. Februar 1977 in den USA geboren, studierte Tuba und Euphonium an der University of Michigan, und ebenfalls Euphonium an der Bowling Green State University, Ohio. Er ist bereits Gewinner zahlreicher internationaler Wettbewerbe für Tuba und Euphonium und spielte mit der Detroit Symphony, Detroit Chamber Brass, Brass Band of Battle Creek und Toledo Symphony. Derzeit ist er Tubist im North Arkansas Symphony Orchestra und Professor für Tuba und Euphonium an der University of Arkansas.
Über dieses Spiel des Amerikaners kann man eigentlich nur schwärmen! Sowohl die schnellen als auch die langsamen Passagen beherrschte er mit einer Souveränität und musikalischen Reife, die ich bei Finalisten in diesen Wettbewerben nur ganz selten erlebte!
Wunderbare, weiche, ja innige Klanggebung, vor allem im 2. Satz, der Ton seines Spiels füllte, obwohl gar nicht laut, den gesamten großen Saal aus, ein herrliches Timbre und ein Schwingen in den großen Melodiebögen, all das sind Charakteristika seines Finalvortrages. Die exzellente Dynamik, sein lockeres, ja spielerisches Beherrschen der schnellen Abschnitte, insbesondere des 3. Satzes vervollständigten den wunderbaren Gesamteindruck, der wohl alle Zuhörer überzeugt und emotional stark angesprochen hat.
Nach diesen drei sehr interessanten und ausgewogenen Interpretationen dieses Werkes für Tuba von Arild Plau zog sich dann die Jury zur Beratung zurück. Diese dauerte nicht sehr lange, die Juroren Prof. Oystein Baadsvik, Jens Björn-Larsen, Prof. Eiichi Inagawa, Prof. Josef Steinböck, Herr Markus Höltzel, Herr Heiko Triebner, Herr Jörg Wachsmuth und Herr Johann Michelsen unter dem Vorsitz von Prof. Klemens Pröpper waren sich schnell einig über die Platzierung der drei Finalisten! Und so konnte diese dann von Prof. Peter Damm, dem Präsidenten des Internationalen Instrumentalwettbewerbes für Blasinstrumente, verkündet werden. konnte. Doch bevor Prof. Damm die einzelnen Namen der Preisträger verriet, hob er noch einmal hervor, dass hinter allen Teilnehmern anstrengende Tage lägen, und „mit Bravour meisterten sie die hohen Anforderungen des Programms“. Vielleicht sei der heutige Abend der „Start zu einer verheißungsvollen künstlerischen Laufbahn“. Einen Dank richtete Prof. Damm noch einmal an die Mitglieder der Jury für ihre verantwortungsvolle Arbeit während der doch recht anstrengenden und langen Auswahlrunden.
Und so lauten die Preisträger:
Herr Benjamin Pierce (USA) errang den 1. Preis
Herr Kazuhiko Sato (Japan) errang einen 2. Preis
Herr Thomas Leleu (Frankreich) errang einen 3. Preis
Allen Teilnehmern dieses Wettbewerbes alles erdenklich Gute und viel Glück und weiteren Erfolg auf ihrem musikalischen Lebensweg. Möge ihnen dieser Wettbewerb viele neue Eindrücke, Erfahrungen und interessante Erlebnisse und Begegnungen beschert haben und weiterer Ansporn für ihre künstlerische Arbeit sein! Den Preisträgern des Tuba-Wettstreites herzlichen Glückwunsch!!
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